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21.02.17 23:30 Alter: 176 Tage
Kategorie: Wasserball
Von: Frank von der Fösse

Programmgestalter, Kommentatoren, Überraschungsgäste...

TV-Schnipsel und andere Wasserspritzer aus dem Stadionbad


SPORT1-Moderator Jan Platte und Waspo98-Vereinspräsident Bernd Seidensticker begleiteten die Partie am Bildschirm. Foto: Jens Witte

27 Tore, 28 Persönliche Fehler, sechs Fernsehkameras und eine mit gut 900 Zuschauern ausverkaufte Arena: Das jüngste Champions League-Spiel zwischen dem neuen deutschen Pokalgewinner Waspo 98 Hannover und Titelverteidiger Jug Dubrovnik aus Kroatien bescherte nicht nur dem DSV-Vertreter ein Spiel für die Annalen. Mit der Übertragung auf SPORT1 lief erstmals eine Partie der Champions League live auf einem bundesweit empfangbaren Fernsehsender und bescherte den Anwesenden wie auch den Fans am Bildschirm einige noch länger nachwirkende Eindrücke.

Das Programm war buchstäblich abendfüllend: Alleine die Liveübetragung dauerte einschließlich sämtlicher Werbeeinblendungen sowie der nachfolgenden Interviews mit Trainer Karsten Seehafer, Torjäger Aleksandar Radovic und Torhüter Roger Kong exakt eine Stunde und 45 Stunden und kann in der Mediathek des Senders unter tv.sport1.de/mobile/player/player.php eingesehen werden. Produziert wurde das TV-Signal für die bundesweite Übertragung mit insgesamt sechs Kameras von der TVN Group Holding, einer Gruppe von TV- und Mediengesellschaften aus Hannover, die auch bereits in den beiden vorherigen Heimspielen des DSV-Vertreters jeweils die Bilder für den seitens der LEN in der Hauptrunde geforderten Livestream erstellt hatte.

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Der Zeitrahmen der erst um 20:45 Uhr startenden Partie war nicht ganz alltäglich: Dieses lag allerdings weniger an dem TVN-Produktionsteam, das bereits um 13 Uhr am Stadionbad eingetroffen war. Die heiße Phase des Aufbaus startete erst um 16:45 Uhr, nachdem die Wettkampfleinen eines ebenfalls an diesem Wochenende in Niedersachsens größter Schwimm- und Wasserballarena stattfindenden Schwimmveranstaltung aus dem Becken entfernt worden waren. Der erste Teil der Aufbauarbeiten für das dritte Champions League-Heimspiel war bereits am Freitagabend getätigt worden, musste allerdings aufgrund des Schwimmwettkampfes allerdings unterbrochen werden. Besagte Schwimmleinen wurden übrigens nach den Spielende noch während der letzten Fangespräche neu gezogen.

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Sichtbar angetan zeigte sich DSV-Jugendsachbearbeiter Holger Sonnenfeld: „Das war die größte Show, die wir hier je gehabt haben“, sagte der Hannoveraner, der bereits bei einer Reihe von internationalen Veranstaltungen im Stadionbad am Beckenrand tätig gewesen ist. Dem langjährigen DWL-Schiedsrichter kam während des Spieles allerdings auch eine tragende und nicht alltägliche Rolle zu: Sonnenfeld stand während der gesamtem Partie mit der Regie des Senders per Headset in Verbindung und dirigierte am Beckenrand den Ablauf. Unter anderem bekamen die beiden Schiedsrichter aus Israel und Griechenland per Handzeichen jeweils das Signal, wann nach dem Ende der Werbepause zum Anschwimmen anzupfeifen war.

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Erfreut über diese erstmalige bundesweite Fernsehübertragung eines Champions League-Spieles in Deutschland zeigte sich der Europäische Schwimmverband LEN als Veranstalter des Wettgewerbs: Wie von Vereinsseite zu vernehmen war, ging schon am Montag aus dem schweizerischen Nyon ein Glückwunschschreiben bei dem DSV-Vertreter ein. Bereits am Freitag war zudem der agile LEN-Wasserballmanager Marco Birri in der niedersächsischen Hauptstadt zu Gast gewesen, um die örtlichen Bedingungen für eine mögliche Austragung weiterer LEN-Veranstaltungen in Augenschein zu nehmen.

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Hervorragend vorbereitet auf das unbekannte Metier zeigte sich der bisher vornehmlich aus dem Fußball- und Tennisbereich bekannte SPORT1-Moderator Jan Platte, der für seinen Auftritt auf einem Podest am Beckenrand nicht nur zahlreiche Notizen mit Rohdaten erstellt hatte: Platte hatte sich zuvor im Internet auch Anschauungsunterricht bei einem Länderspiel zwischen den beiden Toppnationen Ungarn und Kroatien beim jüngst in Budapest ausgetragenen Volvo-Cup gegönnt. SPORT1 hatte analog zu den ausländischen Fernsehanstalten mit Waspo98-Vereinspräsident Bernd Seidensticker dankenswerterweise auch auf einen Co-Kommentator aus der Szene gesetzt, so dass auch für weniger versierte Zuschauer der Spielverlauf gut zu verfolgen war.

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Kurzzeitig zum TV-Star avancierte an diesem Abend Lokalmatador Lutz Dietrich, dieses sogar an dessen 61. Geburtstag: Der langjährige Spieler der Waspo 98 und des Vorgängerklubs Wasserfreunde 98 gehört bei den Partien des DSV-Vertreters im Stadionbad regelmäßig zum Aufbaukommando und richtete diesmal in der Viertelpause zudem den zwischenzeitlich streikenden Anschwimmring in der Spielfeldmitte mit Erfolg wieder her. Dank der Unterwasserkamera waren Dietrichs Bemühungen auch für die Fernsehzuschauer bestens sichtbar. Die ungewöhnlichen Bilder ließen ein wenig erahnen, welche Liebe zum Detail in der Vorbereitung einer Partie auf derartigem Niveau steckt.

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Der Publikumsandrang für die Partie war derart groß, dass die Abendkasse vorzeitig geschlossen werden musste. Eine ganze Reihe von Gästen auf der Tribüne wie auch im VIP-Bereich war erstmals bei einem Wasserballspiel zu Gast, so dass die Waspo98-Macher ein weiteres Ziel des Abends erreichen konnten. Die vielleicht am meisten beeindruckende Fangruppe stand allerdings auf Seiten der Gäste und kam mehrheitlich aus den Reihen des hannoverschen Fußballvereins SV Croatia. Deren Gesänge auf dem Oberrang der Tribüne ließ erahnen, was bei so manchem Wasserballspiel in den Hochburgen Südeuropas zur dortigen Fankultur gehört.

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Eine dicke Überraschung hinsichtlich der Zuschauer bot für die Insider des niedersächsischen Wasserballs der VIP-Bereich am Beckenrand, der seit einiger Zeit zu den Attraktionen bei den Heimspielen der Waspo 98 zählt: Zu den Gästen des Abends gehörte diesmal auch die U17-Bundesligamannschaft des Lokalrivalen White Sharks Hannover und deren Trainer Michael Bartels. Der derzeitige Tabellenführer der einzigen bundesweiten Spielkasse im Nachwuchsbereich hatte von dem Nachbarklub eine explizite Einladung zu der Topppartie im Stadionbad erhalten.

 

Mit Dank an Wolfgang Philipps (Text) und Jens Witte (Bild/jeweils Deutsche Wasserball-Liga)


 
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